Der Biohof Lex in Emling
-25 Jahre Bio und immer noch nicht genug!-
Als mein Vater Lorenz Lex 1979 die Umstellung auf den ökologischen Landbau beschloss, war er als Biobauer allein auf weiter Flur und schwer krank noch dazu. Auf anraten seines Heilpraktikers stellte er erst seine Ernährungs-, später seine Lebens- und Arbeitsweise um. "Ich kann ja nicht konventionelle Produkte erzeugen und mich selbst aus dem Bioladen ernähren!"
"Bio-Liesl, Bio-Liesl!"
Von den Ausmaßen der Umstellung war schnell die ganze Familie betroffen, auch wir Kinder, als wir in die Schule kamen: Da musste man sich schon einiges von den Bauernkindern gefallen lassen: "Bio-Liesl, hat dei Vater wieder Unkraut obaut?" brachte meine Schwester Lisi in der ersten Klasse heim. Doch mein Vater hat meinen Schwestern und mir schon von Anfang an ein gesundes Selbstbewusstsein mitgegeben: "Biologische Landwirtschaft ist das einzig richtige." Und das haben wir dann auch selbstbewusst vertreten.
Durchhalten
Der Betrieb war zum Zeitpunkt der Umstellung 35 ha groß und ein Gemischtbetrieb mit 25 Kühen, Bullenmast und Getreide. Die Erträge sanken ohne Mineraldünger beträchtlich, und eine Prämie für die Umstellung auf ökologischen Landbau gab es nicht. Es gab auch nahezu keine Vermarktungsmöglichkeiten von ökologischen Produkten, sodass ein Großteil konventionell verkauft werden musste. Für mich ist heute klar, das die Umstellung damals schon sehr mutig war und viel Idealismus und Durchhaltevermögen brauchte, sowohl aus moralischer als auch finanzieller Sicht.
"Eine Wissenschaft für sich"
Weil mein Vater sich selbst intensiv mit dem krank sein und wieder gesund werden wollen beschäftigt hat, stieß er auf die Lektüre der Hl. Hildegard, die die Ernährung mit Dinkel "als das gesündeste Getreide" empfahl. So begann sehr bald die Umstrukturierung des Betriebes in die Richtung spezialisierter Ackerbaubetrieb und damit auch der Beginn des Ab-Hof-Verkaufs. Getreide, hauptsächlich Dinkel, wurden angebaut, auswärts gereinigt, und ab Hof verkauft. 1986 entschloss sich mein Vater dann für den Bau einer eigenen Mühle, d. h. eine Getreideanlage zur Reinigung und Aufbereitung von Getreide und Sonderkulturen, die er auch selbst geplant hat. Dafür ist er ein richtiger "Dinkelentspelz"- und Mühlenspezialist geworden. Und weil er nun die passenden Gerätschaften für die Aufbereitung hatte, probiert er auf den Feldern auch immer neue Kulturen aus, sodass wir neben Dinkel, Roggen, Weizen, Nacktgerste und Nackthafer, alten Sorten wie Emmer und Einkorn auch schon über 10 Jahre den Einwanderer "Sojabohne" für Bio-Tofu anbauen. Das war auch der Beginn für den spezialisierten Ackerbau, denn alle Kulturen konnten nun selbst gereinigt und aufbereitet werden. Auf die eigene Trocknung legt mein Vater besonders viel wert, denn die muss schonend und gründlich sein, damit die Keimfähigkeit und somit die hohe Qualität erhalten bleibt und kein Schädlings- und Pilzbefall vorkommen kann. Das Können, die Qualität und die Präzision bei der Arbeit, die sich mein Vater mittlerweile angeeignet hatte, hat uns schließlich auf einen neuen Betriebszweig, "wo's genau geht" gebracht:
Saatgutvermehrung.
Mittlerweile hatte sich nicht nur die Betriebsfläche durch Zupacht auf 82 ha vergrößert, sondern die Hälfte der Kulturen werden als amtlich geprüftes Biosaatgut von sieben verschiedenen Getreidearten und vier Leguminosenarten wie Sojabohnen, Erbsen, Sommerwicken und Ackerbohnen für andere Biobauern produziert. Das Ökosaatgut wird zum größten Teil über den Naturland-Verband verkauft, ein kleiner Teil auch ab Hof. Die Tiere mussten mittlerweile den Hof verlassen, weil der Arbeitsaufwand damals nicht mehr zu bewältigen war, gerade deshalb wird aber besonders auf eine abwechslungsreiche Fruchtfolge mit Anbaupausen durch Stilllegungen und Leguminosen, sowie der Anbau von Gründüngungen geachtet.
Eigener Hofladen
Hofladen gab es bis dahin noch keinen, die Kunden wurden in der meist sehr lauten Mühle bedient. Da diese immer mehr wurden, war mein Vater bald mehr mit interessierten Kunden beschäftigt als mit der täglichen Arbeit. Deshalb musste der Verkauf 1996 in den neu erbauten Hofladen, ein Holzblockhaus, ausgelagert werden. Damit wird jetzt nicht nur das eigene Sortiment wie Äpfel, Kartoffeln, Dinkel in allen Variationen (Körner, Mehle, Nudeln und Spelzkissen), Emmer, Einkorn, Weizen, Roggen, Nackthafer, Nacktgerste, sondern auch ein kleines Naturkostsortiment angeboten. Wer im Hofladen einkauft trifft meist meine Mutter oder Marianne, meine Schwester, die den täglich geöffneten Hofladen abwechselnd betreuen. Aber nicht nur im Hofladen, auch in den Tagwerk-Läden kann man Produkte finden, die auf dem Biohof Lex erzeugt worden sind. Frischer Wind in der 2. Generation 25 Jahre Bioanbau durch meinen Vater werden nun durch zwei der Töchter unterstützt: Marianne und ich, Bernadette, haben die Landwirtschaft von der "Pieke" auf gelernt, wie man so sagt, und teilen uns nun die Arbeit mit unseren Eltern. Auch Lisi, unsere ältere Schwester, gartelt in ihrer Freizeit auf dem Hof: Sie ist für die Blumen und den Obstgarten zuständig und baut Gemüse an. Das Ei oder das Huhn? Frisch von der Fachhochschule hat man natürlich viele Ideen, deshalb wird seit kurzem schon wieder gebaut, bei uns: Hühner haben es uns angetan, sodass wir ab Ostern hofeigene Eier von glücklichen Hühnern, - mit eigenem Getreide und Soja gefüttert - , im Hofladen anbieten werden. Pflanzenkläranlage gebaut Weil man als Biobauer immer versucht im Sinne von Kreislaufsystemen, wie man sie in der Natur vorfindet, zu handeln, haben wir im vergangen Jahr eine Pflanzenkläranlage gebaut, die das von uns verunreinigte Wasser vor Ort und vor allem natürlich gereinigt.
"Da scheenste Beruf is Biobauer" Als Kind erinnere ich mich, dass es oft sehr stressig war, weil wir die Arbeit einfach nicht in den Griff bekommen haben. Das hat sich ein bisschen geändert. Gott sei Dank, denn so kann mein Vater sein "Hobby Landwirtschaft" zwischen wogenden Getreidefeldern, blütenreichen Stilllegungen und bienensummenden Leguminosenfeldern mit ein bisschen mehr Gemütlichkeit praktizieren und bei seinem Standardspruch "Es ist ein Geschenk in Gottes Schöpfung arbeiten zu dürfen." bleiben.