Ruth und Hans Georg Oswald

Bio-Imkerei in Oberlauterbach b.Landshut


Nützlich und gern gesehen ist die Biene des Nachbarn, solange sie im Frühling eifrig die Blüten der Obstbäume bestäubt. Doch eine Imkerei mitten in einem engen Wohngebiet ist nicht jedermanns Sache. Deshalb sind Imker Hans Georg Oswald und seine Frau Ruth nun mit ihrem Sohn Leonhard auf einen frei stehenden Hof nordwestlich von Landshut und haben dort den Hallertauer Bienenhof gegründet. Gerade der ungebundene und ungebändigte Charakter von Bienen, der die Nachbarn so ärgerte, ist es, der Imkermeister Hans Georg Oswald fasziniert: "Bienen sind Wildtiere, sie kennen keine Besitzgrenzen und leben frei dort, wo es duftet und farbenfroh blüht." Die kleinen gold-pelzigen Tierchen lassen sich vom Menschen nicht dirigieren, "der Imker wird von ihnen nur geduldet und kann trotzdem entscheidend für sie sorgen".

Hans Georg: Vom Wald zum Nutzinsekt

Erst nach einem längeren Suchprozess fand der gelernte Landwirt zu den Bienen. Schweine, Rinder und Ackerbau kannte er aus seiner Arbeit in den Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Doch dafür schlug sein Herz irgendwie nicht bedingungslos. Ausgerechnet eine schmerzhafte Bekanntschaft war es dann, die seine Neugier auf Bienen weckte. Beim Sammeln von Mostäpfeln während eines Gewitters gelangte er zu nah an Bienenstöcke. Als Trost für die Stiche hat ihm der Besitzer eine Honigwabe geschenkt. Oswald, seit seiner Kindheit fasziniert vom Wald, hat gefunden, was er suchte: Diese von Natur aus sanften Sonnenkinder, die ihr ganzes Leben nach dem Sonnenschein richten und die allein von Nektar und Blütenstaub leben, wollte er näher kennen lernen. Im Selbststudium erwarb sich Oswald das notwendige Wissen. Er kaufte 14 halb verhungerte Völker eines verstorbenen Imkers und zahlte erst einmal gehörig Lehrgeld. Schon im zweiten Jahr konnte er seinen ersten Honig ernten. Heute ist er außerdem ehrenamtlich als Vorstand des Waldameisenhegerings in Landshut aktiv und im Naturschutzbeirat der Regierung von Niederbayern.

 



Ruth: Glaskunst und Honig

Nicht nur von der Natur geprägt, sondern auch künstlerisch ambitioniert ist seine Frau Ruth. Als Sennerin hat sie im Sommer mehrere Jahre auf der Alp gearbeitet und Graubündner Alpkäse hergestellt. Gelernt und studiert hat die diplomierte Glaskünstlerin jedoch Glasmalerei und Glasblasen. Dann lernten sich die beiden kennen und nun liegt in ihren Händen neben ihrer Glaskunst, die sie freischaffend weiter betreibt, die Honigherstellung sowie ein Teil der Vermarktung und der Schreibtischarbeit. Bei der Honigherstellung geht sie absolut schonend und werterhaltend vor. Um den "regionalen Honig im Urzustand" herzustellen, also Honig, der aus einem genau definierten regionalem Ursprungsgebiet stammt und bei dem die wertvollen Inhaltsstoffe vollständig erhalten bleiben, wird der Honig unmittelbar nach dem Schleudern abgefüllt: ungefiltert (Import-Honigen werden durch Ultrafiltration Pollen und andere Bestandteile entzogen), unerwärmt (auch leichte Erwärmung hat starke Aromaschäden zur Folge) und unvermischt (billiger Honig wird oft mit Importhonigen minderer Qualität gestreckt).

Unsichtbare Fürsorge

Inzwischen hat Hans Georg Oswald, der erste ökologische Berufsimker Niederbayerns, über 100 Erntevölker. Die Bienen bleiben während des ganzen Jahres in einer Region, was nicht selbstverständlich ist. Denn die Honigausbeute der Wanderimkerei, bei der die Bienen in LKWs dorthin verladen werden, wo es gerade am besten blüht, wäre viel ergiebiger. Oswalds Bienenvölker stehen verteilt von den Isarauen in Landshut bis zum Rande der Hallertau und bis ins Niederbayerische Hügelland, immer in Waldnähe. Dementsprechend mobil oder "nomadisch", wie es Oswald nennt, verläuft dann auch sein Leben. In der Hochsaison, von der Kirschblüte Ende April bis zur Sommer-Sonnenwende, besucht er täglich abwechselnd seine Völker, kämpft sich mitunter durch Dickicht und unter Gefahr von Zeckenbissen zu seinen Bienenvölkern vor. Er beobachtet stundenlang Pflanzen und Tiere und fängt wilde Bienenschwärme ein. Vom Honig nimmt Oswald nur einen Teil. "Den Honig im unteren Teil der Bienenwohnung rühre ich nicht an. Während der Blütezeit vergrößere ich die Bienenhäuschen. Die Bienen füllen den freien Teil des Stocks permanent auf." So können die Bienen auch im Winter zumindest zum Teil von den eigenen Vorräten leben. Diese allerdings müssen derzeit noch durch Ökozucker ergänzt werden. Die Winterversorgung nur mit Honig strebt Oswald an. "Im Moment ist sie wegen großer Konkurrenz durch Industriehonige bedauerlicherweise einfach nicht zu machen."

Nichts außer Lehm, Ziegel und Holz

Auch der Lebensstil der Familie Oswald ? das verraten die Bauweise des Wohnhauses und der Imkerei ? ist konsequent naturnah und einfach. Allein aus Ziegel, Lehm und Holz (fast ohne Zement oder Eisen) wurde gebaut. Die lehmverputzten Wände in den Räumen glänzen honigfarben. Ein Lehmofen, der auch das Warmwasser heizt, ist die einzige Wärmequelle im Haus. Der Hallertauer Bienenhof, einer von 200 Höfen, die als "Demonstrationsbetrieb Ökologischer Landbau" ausgewählt wurden, öffnet mindestens acht mal jährlich seine Tore zum Einblick. Die erste Gelegenheit ist die Eröffnung des neuen Hofes. Katrin Drenseck