Georg Schwaiger

Bio- und Waldbauer in Parschalling bei Dorfen

Wie wird man Biobauer? Im elterlichen Betrieb aufwachsen, den Hof übernehmen und voller Idealismus umstellen. Oder erst mal das Leben genießen, reisen, WG-Erfahrung sammeln, um dann einen heruntergekommenen Hof auf Vordermann zu bringen? Wir sind zu Besuch bei Georg Schwaiger, und während wir über die hügeligen Weideflächen Richtung Wald spazieren, erzählt er uns seine Geschichte:

"Ich bin kein typischer Bauer",

sagt der 43-jährige von sich. Sein Vater stammt zwar von einem Hof, wollte ihn aber nicht übernehmen und ist in die Fabrik gegangen. Eine Generation später tritt sein Sohn Schorsch in die Fußstapfen des Großvaters. Das alles sei "scho seltsam g' laffa", antwortet er auf meine Frage, wie er zu dem schönen Hof kam. Ursprünglich war sein Traum, einen Bauernhof von 1-2 Tagwerk Grund zu erwerben. Er hatte mehrere Jahre in einer Hofwohngemeinschaft mit Kleinviehhaltung gelebt und wollte das nun für sich verwirklichen. Als Hobby sozusagen. Doch dann wurde ihm dieser völlig heruntergewirtschaftete Hof für einen vergleichsweise niedrigen Preis angeboten und er schnappte zu. Das war 1988, vor 16 Jahren. Er begann mit Schafzucht und Ackerbau, konzentrierte sich aber sehr bald schon zusätzlich auf Angusrinder als Haupterwerbszweig. Nach ersten Anfangsschwierigkeiten in der Nachzucht - "der Bulle war zu schwer für die Kälber" - haben sich die kräftigen Rinder für ihn heute sehr bewährt und er schwört auf sie. Oben zum Wald hin weiden sie in den saftigen Kleehängen mit herrlicher Aussicht bis nach Dorfen. Die 14 Mutterkühe mit ihrer Nachzucht haben jede Menge Weideland und muhen laut als Schwaiger jetzt näher kommt.


Durch Erfahrung lernen

Die ersten Jahre waren schlimm. Für die Getreidelagerung waren keine Räumlichkeiten da. Regelrecht auf den letzten Drücker hat er Getreide und Vieh damals vor der kalten Regenzeit noch trocken in die neuerbauten Ställe gebracht. Auch das Haus hat er in viel Eigenleistung renoviert. Doch man sieht es dem Hof und ihm nicht an. Es scheint, als stünden sie miteinander schon immer da. Wie in aller Welt hat er sich all das landwirtschaftliche Wissen angeeignet, frage ich ihn. Seminare von Biobauernverbänden hat er besucht, denn "auf der landwirtschaftlichen Winterschule lerne ich 90% Theorie, die ich in der Praxis überhaupt nicht anwenden kann. Praktisch erfolgreich zu sein passiert aus der Beobachtung heraus und aus der mühsam gemachten Erfahrung im Laufe der Jahre." So muss er sich am Ende dieses Sommers keine Sorgen mehr machen, dass das Vieh über den Winter zu wenig zu fressen hat. Futtergetreide baut er inzwischen großzügig an, das hat ihn die Erfahrung der ersten Jahre gelehrt...

 

Strom aus der Sonne

Dem Bauernsterben zum Trotz hat er um den Hof herum Flächen dazugepachtet. So liefert er für die Hofpfisterei Dinkel und Roggen. Eine gewisse Größe ist wichtig, um wirtschaftlich bleiben zu können. Seine Hofgröße von 27 ha Nutzfläche entspricht ungefähr dem bayerischen Durchschnitt, sagt er. Auch in die Zukunft hat er investiert: ca. 200 qm Fotovoltaikmodule glitzern in der Nachmittagssonne vom Stalldach. Sie geben dem bäuerlichen Anwesen ein zeitgemäßes Bild - und gespart wird sinnvoller weise an anderer Stelle: "Ich brauche nicht die neuesten Maschinen. Mit guter Pflege halten die gebrauchten ewig, funktionieren müssen sie halt." Pragmatismus ist eben auch ein Teil des Erfolgs.

Die Weiberl schmecken besser

So hält er es auch mit der Direktvermarktung. Das Fleisch geht direkt ab Hof, für die Stammkundschaft sogar bis nach München. Und die hält bis jetzt treu zu ihm. Beim Thema Preisverfall zieht sich seine Stirn zum ersten Mal in Falten. Zum Glück macht TAGWERK den Preisverfall in der Biobranche derzeit noch nicht mit, die Abnehmerpreise für ihn sind stabil. Darauf ist er angewiesen. Trotzdem ist er Realist: Über den allgemeinen Trend brauche man sich keine Illusionen zu machen, sagt er: "Für Dinkel hat man zum Beispiel vor 13 Jahren das Doppelte gekriegt, heute sind aber im Vergleich die Kosten bei der Herstellung doppelt so hoch. Wo das hinführt, mag ich mir gar nicht ausmalen." Neugierig gucken die Puten herüber und sogleich glättet sich seine Stirn. "Männliche Puten sind zwar wirtschaftlicher wegen ihres größeren Gewichts, die Weiberl aber schmecken besser". Er lacht und wir glauben es ihm sofort.

Vor Erosion geschützt

Manchmal wundert sich Georg Schwaiger, warum manches auf dem Hof so lange braucht, bis es realisiert wird. Das neue Holzhäusl für die Schweine ist heuer erst fertig geworden. Aber der schmucke Brotofen aus Backstein tut seine Dienste nun schon zwei Jahre. Die jungen Obstbäume weisen auf eine weitere Einkommensquelle hin. Die Bäume stehen locker im Hang. Seine Hänge sind durch die Extensivwirtschaft besser geschützt vor Erosion, erklärt Schwaiger. Auch bei extremen und langandauernden Güssen sickert auf den Weiden das Wasser ein. Man muss eben Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben. Und helfende Hände. Schwaiger hat Glück: seine Lebensgefährtin Elvira steuert mit ihrer Arbeit im TAGWERK-Zentrum zum Familieneinkommen bei. Und sein Vater kommt dann doch nicht vom Hof los, auch wenn er mittlerweile schon lange in Rente ist. Er ist hier der Brennholzspezialist. Wie eine zweite Haut stapeln sich die Hölzer feinsäuberlich rund um den Hof und man sieht den Stapeln die liebevolle Zuwendung an. Ob er sich heute noch einmal für die Geschichte entscheiden würde? "Niemals!" sagt er und grinst dabei übers freundliche Gesicht. Ilka Mutschelknaus